Kollegiatinnen und Kollegiaten in der zweiten Phase

Insgesamt bietet das NRW-Forschungskolleg Online-Partizipation in der zweiten Förderphase elf Doktorandinnen und Doktoranden die Möglichkeit zur inter- und transdiziplinären Forschung im Bereich kommunaler Online-Partizipation. Die folgenden Personen werden derzeit im Rahmen des Forschungskollegs bei Ihrer Promotion betreut (ein Klick auf den Namen zeigt Details zur jeweiligen Person):

Maria Becker
Politikwissenschaft
HSPV

 

Online-Partizipation von Menschen mit Migrations- und Fluchthintergrund

Maria Becker ist wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Hochschule für Polizei und Verwaltung NRW in Köln. Sie ist Kollegiatin des NRW-Forschungskollegs Online-Partizipation und gehört zur zweiten Förderphase des Kollegs. Ihr Masterstudium (MSc) in „Entwicklung und Internationale Beziehung“ absolvierte sie in Dänemark mit Schwerpunkt auf Politikwissenschaft sowie auf Gender- und Migrationsforschung.Nach Abschluss Ihres Masters arbeitete sie in der Flüchtlingshilfe, in der politischen Bildung für Jugendliche mit Migrations- und Fluchthintergrund sowie als Wahlkreismitarbeiterin eines Bundestagsabgeordnetenbüros. In ihrer Dissertation untersucht sie die politische Teilhabe von Menschen mit Migrations- und Fluchthintergrund in Online-Partizipationsverfahren anhand von Fallstudien. Sie promoviert bei Prof. Dr. Katrin Möltgen-Sicking .

Andreas Braun
Politikwissenschaft
HHU

 

Die Wirkung kommunaler Bürgerbeteiligungsmethoden auf die demographische Zusammensetzung der Partizipierenden

Der Aufbau von Strukturen zur Stabilisierung kommunaler Beteiligungsverfahren ist in den letzten Jahren intensiver und umfassender geworden. Vor allem gibt es Leitlinien, die die Kultur der Partizipation in der Kommunalpolitik verankern sollen. Hierbei handelt es sich um freiwillige Selbstverpflichtungen der Kommunen, Beteiligungsprozesse durchzuführen und dabei Qualitätsstandards einzuhalten. Mehr als 70 deutsche Kommunen haben bereits Leitlinien oder Handlungsempfehlungen zur kommunalen Bürgerbeteiligung verabschiedet oder sind derzeit an ihrem Gestaltungsprozess beteiligt. Der Umfang dieses Engagements ist von Stadt zu Stadt sehr unterschiedlich. Die Mehrheit der deutschen Kommunen führt bereits mehrere informelle (gesetzlich nicht geregelte) Top-down-Beteiligungsverfahren pro Jahr durch und strebt eine weitere Expansion an. Etwa ein Drittel der Kommunen in Nordrhein-Westfalen hat bereits 2016 internetbasierte Formate für diese Zwecke verwendet. Das zentrale Anliegen des Dissertationsprojekts liegt in der Erfolgsbewertung solcher kommunaler Beteiligungsprozesse. Ziel ist es, die Auswirkungen verschiedener Prozesse auf die demografische Zusammensetzung der Teilnehmer und die Wahrnehmung des Prozesses zu untersuchen. Dabei steht im Vordergrund, ob die Bereitstellung digitaler Beteiligungsplattformen und der Grad der Komplexität des Instruments einen wesentlichen Einfluss auf die Zusammensetzung der Teilnehmer haben.


Andreas Braun hat von 2011 bis 2014 Politikwissenschaften mit dem Abschluss Bachelor of Arts an der Universität Duisburg-Essen studiert. Von 2014 bis 2018 studierte er Politikwissenschaften und VWL mit dem Schwerpunkt politischer Partizipationsforschung an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Vor seiner Masterarbeit arbeitete Andreas Braun mehrere Monate in der Stabsstelle Bürgerbeteiligung der Stadt Wuppertal, deren 2016 durchgeführtes „Bürgergutachten zum möglichen Bau einer Seilbahn“ er in seiner Thesis hinsichtlich des politischen Aktivierungspotenzials des Beteiligungsinstrumentes untersuchte. Im Zuge des Forschungskollegs Online-Partizipation fokussiert er sich auf die Effektivität kommunaler Beteiligungsmethoden bei der Aktivierung politisch unterrepräsentierter Gruppen. Sein Betreuer ist Prof. Stefan Marschall.

Björn Ebbinghaus
Informatik
HHU

 

Entscheidungsfindung im Rahmen von Online-Argumentation

Es gibt diverse Möglichkeiten sich online zu partizipieren. Eine neuere Methode ist die strukturierte Argumentation. Argumente in einer verwertbaren Struktur zu haben hilft besonders bei großen Mengen an Menschen ein Diskussionsthema zu verstehen. Aufbauend auf diesem Verständnis könnte man eine Argumentation auf ein Ziel ausrichten, wie z.B. das Lösen einer komplexen Entscheidung mit vielen Teilnehmen. Die dann zugrundeliegenden strukturierten Daten können dann als Grundlage und Begründung dienen, welches dann das Ergebnis stärken. Es sollten verschiedene Entscheidungsprozesse darauf untersucht werden, wie diese Verbindung mit strukturierter Argumentation möglich gemacht werden kann.


Björn Ebbinghaus hat seit 2013 Informatik an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf studiert. Er schloss seinen Bachelor of Science 2017 ab. Zeitgleich arbeitete er bereits an D-BAS, dem dialogbasiertem Argumentationssystem, einem Projekt der ersten Phase des Forschungskollegs, als studentische Hilfskraft. Während seines Masterstudiums an der HHU beschäftigte er sich mit der Nutzung von Argumentationssystemen in natürlich sprachlichen Umgebungen, wie Chat-Systemen, durch Chatbots. In seiner Masterarbeit untersuchte er die Möglichkeiten bestehende Argumentationssysteme mit einer anschließenden Entscheidungsfindung zu erweitern. Dazu wurde ein Experiment mit der Studierendenschaft der Informatik durchgeführt um zu testen, ob diese Art der Entscheidungsfindung für die Studenten als fair und akzeptabel empfunden wird. Seit Januar 2019 ist er als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Rechnernetze von Prof. Martin Mauve angestellt und forscht dort an dem praktischen Einsatz und der Entwicklung von Systemen zur Entscheidungsbildung.

Philipp Grawe
Informatik
HHU

 

Repräsentation von Beiträgen und deren Aspekte zur Unterstüt-zung von Benutzenden und der Auswertung

Wie lassen sich Aspekte von Beiträgen in Online-Partizipation verknüpfen und welche Repräsentationsformen sind dazu geeignet? Dies kann einerseits dazu dienen Faktoren, wie Themen oder Argumente, zu identifizieren, die einen Vorschlag erfolgreich sein lassen. Erfolgreich kann dabei sowohl die Zustimmung als auch eine (positive) Kommentierung sein. Neben sprachlichen Merkmalen der Texte können dazu ebenfalls Metadaten wie Ort oder Zeit betrachtet werden. Die Erkenntnis kann eine Hilfe für Verfassende bieten erfolgreichere Vorschläge zu machen, aber auch dazu genutzt werden Inhaltsanalysen solcher Verfahren zu verbessern. Bisherige Ansätze solcher Analysen bieten nur einen groben Überblick, etwa durch Wortlisten von Themen, und sagen wenig über die Art aus, wie ein solches Thema diskutiert wird. Hier erscheint es sinnvoll verschiedene Ansätze zu kombinieren, um eine tiefergehende Analyse zu ermöglichen. Diese Analyse ist auch sinnvoll, da eine manuelle Auswertung solcher Verfahren mit einem hohen Ressourcenaufwand verbunden ist. Außerdem ermöglicht eine automatische Auswertung und Beschreibung einen unverfälschteren Blick und kann möglichen Bias erkennen.
Schwerpunkt dieser Dissertation ist dabei vorhandene Darstellungsweisen und Analysen von Debatten zu kombinieren, zu verbessern oder neue zu entwickeln um Faktoren und Eigenschaften von Debatten und Vorschlägen zu extrahieren und verknüpfen. Diese Verknüpfung kann zwischen Beiträgen einer Debatte oder deren Argumente erstellt werden um Querverbindungen in einer Debatte zu schaffen, welche neben der Erstellung einer Inhaltsanalyse auch dazu genutzt werden kann Debatten interaktiver zu machen. Denkbar ist ebenfalls eine Entwicklung, diese Debatten automatisch mit externen Dokumenten aus Open Data Quellen zu verbinden um Hintergrundinformationen anzubieten. Insgesamt hat diese Dissertationen die Idee Nutzende, Moderierende und Auswertende zu unterstützen und mit einer automatischen Analyse sowohl laufende als auch angeschlossene Verfahren interaktiver auswerten zu können.


Philipp Grawe studierte Informatik an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Innerhalb seines Masterstudiums machte er ersten Kontakt mit Online-Partizipation, wobei er von Dr. Matthias Liebeck betreut wurde. Dabei stand die Themenextraktion aus Beiträgen im Vordergrund. Im Rahmen seiner Masterarbeit beschäftigte er sich ebenfalls mit Online-Partizipation und entwickelte eine Webanwendung zur Themenextraktion, Visualisierung und Interkation mit Online-Partizipationsverfahren. Das Forschungsionteresse von Philipp Grawe liegt im Forschungskolleg hauptsächlich auf Text Mining und Argument Mining. Dies kann zum Beispiel dazu benutzt werden um Themen zu erkennen sowie deren Verläufe, zur Verknüpfung von Dokumenten und externen Quellen mit Beiträgen aber auch zur Erkennung von gezielten Übernahmen von Debatten. Seine Promotion absolviert am Lehrstuhl für Datenbanken und Informationssysteme bei Prof. Stefan Conrad.

Linus Boes
Informatik
HHU

 

Partizipative Budgetierung: Formale Analyse von axiomatischen und algorithmischen Eigenschaften

Die zentrale Forschungsfrage des Promotionsvorhabens lautet: Wie lassen sich partizipative Budgetierungsmodelle theoretisch abstrahieren und welche allgemeingültigen Aussagen lassen sich über Umsetzbarkeit, Eigenschaften, Fairness und manipulative Einflussnahme treffen?
Eines der zentralen Motive von Online-Partizipation ist die mitbestimmte Verteilung von öffentlichen Budgets durch Beteiligung auf kommunaler Ebene. Diese ist im Zuge der Digitalisierung so aktuell wie noch nie und längst gängige Praxis, z.B. in Form von Bürgerhaushalten. Damit verwendete Modelle ihre Relevanz für Online-Partizipation behalten und Präferenzen von Partizipanten nachweisbar repräsentativ abgebildet werden, ist es unerlässlich praktizierte Verfahren theoretisch zu untermauern. Hierbei lassen sich Techniken der Computational Social Choice (Forschungsgebiet der theoretischen Informatik) nutzen, um Probleme der kollektiven Präferenzaggregation mit Methoden der Informatik und mathematischer Beweisführung zu untersuchen.
Ziel dieser Promotion ist es mit eben diesen Methoden realisierbare Modelle auf wesentliche Annahmen zu reduzieren, um allgemeingültige und relevante Aussagen für Klassen von partizipativen Budgetierungsmodellen begründet treffen zu können. Letztendlich ermöglicht ein beidseitiger Wissenstransfer, dass Bürgerhaushalte angewandt aktuell bleiben und ihr volles Potential entfalten können.


Linus Boes studierte Informatik an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, wo er seine Bachelorarbeit über Kommunikationsmodelle bezüglich Online-Algorithmen schrieb. Zum Master hin wechselte er an die Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, um dort seinen Schwerpunkt im Bereich Computational Social Choice und Spieltheorie zu setzen. In seiner Masterarbeit befasste er sich mit der Modellierung und Analyse von iterativen Wahlmodellen, welche die individuellen Präferenzen beteiligter Wähler sukzessive aggregieren sollen.
Innerhalb seiner Promotion im Forschungskolleg möchte er seinen Kenntnisstand nutzen, um Online-Partizipation in Form von Bürgerhaushalten theoretisch zu untermauern.
Linus Boes promoviert aktuell an der Heinrich-Heine-Universität in der Arbeitsgruppe Computational Social Choice bei Jun.-Prof. Dr. Dorothea Baumeister in Kooperation mit der Arbeitsgruppe Komplexitätstheorie und Kryptologie von Prof. Dr. Jörg Rothe.

Anna Kerkmann
Informatik
HHU

 

Participatory Budgeting Methods

Participatory Budgeting (dt. Partizipative Budgetierung) beschreibt die Verwaltung eines öffentlichen Bugets durch eine Gruppe von Wählern. Dabei können diese über die Verwendung des festgelegten Budgets entscheiden. In diesem Promotionsprojekt wird Participatory Budgeting aus theoretischer Sicht betrachtet. Die geplante Forschung wird sich im Bereich der Computational Social Choice Theory ansiedeln, einem interdisziplinären Forschungsgebiet zwischen Sozialwahltheorie (engl. Social Choice Theory) und Informatik. Ziel eines Budgetierungsverfahren ist es zu bestimmen, welche Alternativen budgetiert werden. Dies soll auf Grundlage der Präferenzen der Wählerschaft geschehen. Ein Budgetierungsverfahren lässt sich daher in zwei Schritte unterteilen: die Erhebung und Aggregation der Präferenzen. Im ersten Schritt werden die Präferenzen der Wähler in einem möglichst kompakten und repräsentativen Format erhoben. Im zweiten Schritt werden die soeben erhobenen Präferenzen aggregiert. Das bedeutet, es wird auf Basis der Präferenzen eine Teilmenge der Alternativen bestimmt, welche budgetiert werden soll. Zur Umsetzung dieser beiden Schritte sind verschiedene Präferenzformate und Aggregationsmethoden möglich, welche sehr unterschiedliche Eigenschaften mit sich bringen. Sie sollten daher stets abhängig vom Anwendungsfall gewählt werden. Das Ziel dieses Promotionsprojekts ist die Analyse und der Vergleich verschiedener Präferenzformate und Aggregationsmethoden. Dabei sollen Eigenschaften, wie Fairness, Optimalität und Manipulationssicherheit geprüft, und die Formate und Methoden aufgrund dieser Eigenschaften charakterisiert und klassifiziert werden. Des Weiteren sollen neue Modelle formuliert und reflektiert werden. Zentrales Werkzeuge ist dabei vor allem mathematische Beweisführung.


Von 2013 bis 2019 studierte Anna Kerkmann Informatik an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf und schloss ihr Studium mit einem Master of Science ab. In ihrem Master befasste sie sich mit der komplexitätstheoretischen Analyse von Problemen, insbesondere in den Bereichen Computational Social Choice und Spieltheorie. Darauf aufbauend konzentrierte sie sich in ihrer Masterarbeit auf die Analyse verschiedener Stabilitätskonzepte in hedonischen Spielen. Seit April 2019 arbeitet Anna Kerkmann an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf am Lehrstuhl für Komplexitätstheorie und Kryptologie. Innerhalb der Promotion im Forschungskolleg beschäftigt sie sich mit der Modellierung von Online-Partizipation in Bürgerhaushalten und der (komplexitätstheoretischen) Analyse dieser Modelle im Hinblick auf verschiedene Entscheidungsfindungsprozesse. Das Vorhaben wir betreut durch Prof. Dr. Jörg Rothe. und Jun.-Prof. Dr. Dorothea Baumeister.

Nicole Najemnik
Politikwissenschaft
HSPV

 

Digitalizing Bourdieu: Eine Untersuchung der Einflussfaktoren auf die Beteiligung von Frauen im Feld kommunaler Online-Partizipation

In Deutschland sowie anderen europäischen Ländern lässt sich gegenwärtig ein Trend hin zu einer verstärkten Ausweitung und Implementierung von Maßnahmen zur politischen Online-Partizipation von Bürgerinnen und Bürgern beobachten. Trotz dieser wachsenden Möglichkeiten, sich online in politische Entscheidungsfindungsprozesse auf kommunaler, regionaler oder nationaler Ebene einzubringen, deuten aktuelle Forschungsergebnisse darauf hin, dass dieser Prozess der Ausbreitung politischer Beteiligungsmöglichkeiten im und durch das Internet durch ungleiche Teilhabemöglichkeiten geprägt ist. Es lässt sich folglich eine Reproduktion sozialer Ungleichheiten im Hinblick auf politische Partizipationsmöglichkeiten aus der analogen Sphäre im digitalen Raum beobachten. Somit sind es vor allem männliche User mit hohen Einkommen und hohen Bildungsabschlüssen, die die neuen Möglichkeiten politischer Beteiligung im Internet nutzen. Das Promotionsprojekt legt den analytischen Schwerpunkt auf den sozialen Differenzmarker „Geschlecht“ und dessen Wirkungsweisen in Bezug auf politische Online-Partizipation. Ziel ist es, mögliche Einflussfaktoren auf die Teilnahme von Frauen bei politischen Online-Partizipationsverfahren auf kommunaler Ebene näher zu beleuchten. Für die Analyse dieser Einflussfaktoren nutzt die Autorin der Studie Bourdieus theoretische Werkzeuge des „Feldes“, des „Kapitals“ und des „Habitus“, um so Einflussfaktoren abseits der bereits bekannten Determinanten für politische Online-Partizipation, wie zum Beispiel Einkommen oder Bildung, ans Licht zu bringen. Deshalb liegt der Fokus der Arbeit auf möglichen Einflussfaktoren wie dem „technologischen Habitus“ oder „digitalem Kapital“. Außerdem wird für eine präzise Analyse der Einflussfaktoren auf die Teilnahme von Frauen an Online-Partizipationsverfahren auf lokaler Ebene ein „Feld kommunaler Online-Partizipation“ konzeptualisiert. Die Studie folgt einem qualitativen Design und die zur Beantwortung der leitenden Forschungsfrage notwendigen Daten sollen anhand von problemzentrierten und leitfadengestützten Interviews mit Frauen, die sich am Online-Beteiligungsverfahren zum Bürgerbudget der Stadt Wuppertal beteiligt haben, erhoben werden.

Poster des Dissertationsprojektes


Nicole Najemnik studierte Internationale Entwicklung in Wien, Ankara und Mexiko-Stadt und schloss ihr Magisterstudium mit Auszeichnung ab. Sie war Stipendiatin im Shortcuts-Qualifizierungsprogramm für Nachwuchswissenschaftlerinnen der Bielefeld Graduate School in History and Sociology und zuletzt als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Medienforschung und Medienpädagogik der Technischen Hochschule Köln tätig. Seit dem Sommersemester 2016 ist sie Lehrbeauftragte an der Universität zu Köln sowie der Technischen Hochschule Köln. Nicole Najemnik promoviert bei
Prof. Möltgen-Sicking (HSPV NRW, Köln) und untersucht in ihrer Dissertation mögliche Einflussfaktoren auf die Teilnahme von Frauen an formalisierten Online-Partizipationsverfahren am Beispiel des Bürgerbudgets der Stadt Wuppertal.


Veröffentlichungen & Vorträge (Auswahl):

Nicole Najemnik (2018) Digitale Ungleichheiten und Online-Bürgerbeteiligung, Deutsche Verwaltungspraxis 69(11), S. 428-433

Nicole Najemnik (2018) Digitalizing Bourdieu. An Analysis of Influencing Factors on Women’s Political Online-Participation at Local Government Level, International Conference on E-Participation at municipal level of government: Brazil and Germany

Nicole Najemnik (2018) Digitale Medien in der Frühpädagogik: Zwischen Ermöglichung und Verhinderung von Teilhabe bei Aktivitäten mit Tablets, merz – Zeitschrift für Medienpädagogik 62(6), S. 89-101

Nicole Najemnik (2018) Das Internet: Chance oder Risiko für die Demokratie?, Bergische Volkshochschule

Nicole Najemnik (2018) Cybergewalt gegen Frauen und Mädchen, Bergische Volkshochschule

Nicole Najemnik (2018) Factors of Success and Barriers for Women's Political Online-Participation. A Case Study on the City of Cologne, 9th Annual Women's Leadership and Empowerment Conference

Nicole Najemnik (2017) Politische Partizipation von Frauen im digitalen Feld der Kommunalpolitik. Eine Analyse der Einflussfaktoren auf die Beteiligung an kommunalen Online-Partizipationsprozessen, under.docs - Fachtagung zu Kommunikation, Universität Wien

Nicole Najemnik (2017) Cybergewalt gegen Frauen und Mädchen, Volkshochschule Monheim

Nicole Najemnik (2017) Digitale Gewalt, Feministischer Salon, Frauenberatungszentrum Köln e.V.

Nicole Najemnik (2017) Cyber Violence Against Women: A New Challenge to Gender Equailty, Building Bridges in a Complex World, Internationale Konferenz in Chania, Kreta

Nicole Najemnik (2016) Inclusion and Language Activity with Digital Media in Kindergarten, Workshop on early literacy and (digital) media, Universität Paderborn

Nicole Najemnik, Isabel Zorn (2016) Digitale Teilhabe statt Doing Disability: Assistive Technologien für inklusive Medienbildung im Kindergarten, INFORMATIK 2016, Klagenfurt, Austria, Heinrich C. Mayr, Martin Pinzger (Hrsg.), S. 1087-1096, Bonn: Gesellschaft für Informatik

Nicole Najemnik (2016) Cybergewalt gegen Frauen - was ist das?, Paradigmata. Zeitschrift für Menschen und Diskurse(14), S. 25-26

Phillip Nguyen
BWL
HHU

 

Online-Partizipation in öffentlichen Verwaltungen: Eine Analyse der individuellen Nutzerakzeptanz

Die Promotion beschäftigt sich sich mit der Technologieakzeptanz der Verwaltungsmitarbeiter von Online-Partizipation. Die Akzeptanz von internetgestützter Bürgerbeteiligung erweist sich als zentraler Faktor für die erfolgreiche Etablierung von Online-Partizipation. Aspekte wie der erwartete Aufwand, die vorhandenen Rahmenbedingungen oder die grundsätzlichen Einstellungen in Bezug auf Bürgerbeteiligung und Technik beeinflussen dabei die Verhaltensintention sowie die reelle Nutzung betreffender Verfahren. Die bisherige Forschung konzentriert sich jedoch hauptsächlich auf die Akzeptanz der Bürger als (potenziell) Partizipierende. Dagegen wird die Perspektive der Mitarbeiter öffentlicher Verwaltungen bisweilen vernachlässigt. Allerdings besitzen sie als Initiatoren und ausführende Organe eine maßgebliche Rolle bei der Entscheidung für oder gegen Online-Partizipation, bei der Ausgestaltung der konkreten Prozesse sowie bei der Verwertung der Ergebnisse. Neben individuellen und technologischen Aspekten soll dabei ein besonderer Fokus auf der Untersuchung verwaltungsspezifischer Kontextfaktoren liegen.


Von 2011 bis 2018 Studium der Soziologie, Philosophie und Betriebswirtschaftslehre an der Rheinisch-Westfälisch Technischen Hochschule Aachen mit interdisziplinärem Schwerpunkt und Masterabschluss in Soziologie. Innerhalb des Studiums Praktika sowie freie Tätigkeiten in der Unternehmenskommunikation und im Online-Marketing. Zu den Forschungsschwerpunkten zählen unter anderem Online-Partizipation sowie organisationale Innovations- und Zukunftsforschung. Seit Februar 2019 als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl Betriebswirtschaftslehre, insb. Organisation und Personal an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf tätig. Phillip Nguyen wird von Prof. Stefan Süß betreut.

Christopher Niederelz
Kommunikationswiss.
HHU

 

Interessenverbänden in Online-Partizipationsverfahren

Das Internet bietet große Chancen für die Bildung, Artikulation und Durchsetzung aggregierter Interessen. Schneller und einfacher als jemals zuvor können sich Menschen mit ähnlichen Anliegen finden, miteinander in Kontakt treten und sich zu Gruppen zusammenschließen, um ihre geteilten Interessen besser durchsetzen zu können. Beispiele finden sich auf nationaler und internationaler Ebene wie #ichbinhier und Fridays For Future. Aber auch zahlreiche regionale und lokale Zusammenschlüsse zeigen, welche Reichweite in nie dagewesener Geschwindigkeit und mit drastisch reduzierten Kosten erreicht werden kann. Dies bietet auch neue Möglichkeiten für die digitale Partizipation der Bürger.
Gleichzeitig birgt es große Gefahren. Die Anonymität des Internets ermöglicht ein breites Spektrum möglicher Manipulation. Beispielweise können professionelle aggregierte Akteure als private Bürgervereinigungen auftreten und so ihre Absichten verschleiern, oder organisierte Gruppen als Einzelakteure auftreten und so – vor allem in verhältnismäßig kleinen lokalen und sublokalen Verfahren – ganze Debatten und Abstimmungsverfahren in ihre Kontrolle bringen. Evaluationen von Beteiligungsverfahren zeigen, dass unter den Teilnehmern ein Bewusstsein für diese potenziellen Gefahren besteht. Allerdings ist nach wie vor unklar, wie gerechtfertigt die Angst vor Manipulation durch verdeckte Interessen tatsächlich ist.
Ebenso ist das gesamte Feld der Gruppenbildung und Gruppendynamik im Online-Umfeld nach wie vor nicht ausreichend erforscht. Zum Beispiel fehlen Befunde über Entstehung, Wandlung und Zerfall von aggregierten Interessen im Internet sowie über ihr Selbstverständnis und ihre Außenwirkung.
Daher verfolgt das Dissertationsvorhaben das Ziel, erstens eine Systematisierung verschiedener Arten aggregierter Interessen zu erstellen, die das Spektrum von der spontanen Kleingruppe bis zum institutionalisierten Kollektivakteur abdeckt. Außerdem will das Vorhaben Erkenntnisse darüber gewinnen, welche Selbstwahrnehmungen in verschiedenen Arten aggregierter Interessen bestehen und wie diese Gruppen von außen wahrgenommen werden. Diese Befunde sollen aus der Beobachtung möglichst verschiedener Verfahren und der Befragung der Teilnehmer gewonnen werden.


Christopher Niederelz studierte Politikwissenschaft und Geschichte an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und erwarb anschließend einen Master of Arts in Demokratie und Governance an der Justus-Liebig-Universität Gießen. Seine Abschlussarbeit beschäftigte sich mit der Erklärung der unterschiedlichen Ausgänge der Euro- und Flüchtlingskrise. Am Forschungskolleg gilt sein Interesse unter anderem der Einflussnahme von Interessenverbänden in Online-Partizipationsverfahren und den rhetorischen Strategien der Teilnehmer in solchen Verfahren. Christopher Niederelz promoviert am Lehrstuhl für Kommunikations- und Medienwissenschaft III der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Er wird betreut von Prof. Christiane Eilders.

Regina Stodden
Computerlinguistik
HHU

 

Automatisierte Vereinfachung von Texten im Rahmen von Online-Partizipationsprozessen

In ihrem Promotionsvorhaben beschäftigt sich Regina Stodden mit der automatisierten Textvereinfachung von deutschen Texten. Dies wird dadurch motiviert, dass Sprache eine Barriere zur Teilnahme an Online Partizipations-Prozessen darstellt. Oft sind Instruktionen der Prozesse zu komplex und die Beiträge in Argumentationen zu umständlich formuliert. Daraus folgt, dass Muttersprachler und vor allem Menschen mit Deutsch als Zweit- oder Fremdsprache diesen nur schwer oder gar nicht folgen können. Diese Probleme werden zum Beispiel durch sehr lange Wörter, verschachtelte Sätze, fehlende Bezüge zwischen Sätzen sowie Wort- oder Satzeinheiten, die durch andere Wörter unterbrochen werden, erzeugt. Ziel des Promotionsvorhabens ist es, Texte, in denen ein oder mehrere Probleme auftauchen, automatisiert so umzuformulieren und umzustrukturieren, dass sie leichter verständlich sind.


Regina Stodden studierte von 2012 bis 2016 Erziehungswissenschaft, Texttechnologie und Computerlinguistik (B.A.) an der Universität Bielefeld. Studienbegleitend arbeitete sie als Tutorin im Bereich der Computerlinguistik an der Universität Bielefeld und als studentische Hilfskraft im Exzellenzcluster Kognitive Interaktionstechnologie der Universität Bielefeld. Innerhalb ihres darauf folgenden Masterstudiums der Informationswissenschaft und Sprachtechnologie (M.A.) an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf (2016-2018) und ihrer Tätigkeit als wissenschaftliche Hilfskraft in der Abteilung für Computerlinguistik, forschte Regina Stodden hauptsächlich in den Bereichen Open Data, Mehrworteinheiten, Dependenzparsing und Maschinelles Lernen. Im Rahmen des Forschungskollegs gilt ihr Interesse insbesondere der automatisierten Analyse von Textbeiträgen aus Online-Partizipationsverfahren unter Berücksichtigung von zusammenhängenden sprachlichen Einheiten. Regina Stodden promoviert in der Abteilung für Computerlinguistik an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf und wird von Prof. Laura Kallmeyer betreut.

Marco Wähner
Soziologie
HHU

 

Politische (Online-)Beteiligung auf der lokalen Ebene: Die individuelle Motivlage zur Partizipation

Ein zentraler und stetiger Befund der empirischen Forschung ist die soziale Verzerrung politischer Partizipation. Dabei hat sich seit der bahnbrechenden Studie von Verba et al. (1995) die Erklärung der Partizipationsstruktur nicht wesentlich verändert. Nach wie vor sind die Ressourcenstarken überrepräsentiert, die ein hohes politisches Interesse kennzeichnet und in Netzwerken organisiert sind, welche zur politischen Beteiligung aufrufen. Auch Online-Partizipationsverfahren, die grundsätzlich orts- und zeitunabhängig sind, haben keinen wesentlichen Einfluss auf diese Strukturmerkmale.
Diese Befunde stellen insbesondere die kommunale Verwaltung vor Probleme, denn auf der lokalen Ebene werden (Online-)Partizipationsverfahren vermehrt eingesetzt. Einerseits soll Partizipation auf Krisensymptome der Demokratie reagieren, die sich beispielsweise durch sinkendes Vertrauen in politischen Institutionen widerspiegelt. Andererseits verletzen Strukturmerkmale politischer Partizipation die Prämisse politischer Gleichheit, wenn die ohnehin Aktiven auch (Online-)Beteiligungsverfahren zur Interessenartikulation nutzen. Kurzum: Politische Partizipation ist Teil des Problems und Teil der Lösung.
Während die Forschung ressourcenbasierte Erklärungsansätze fokussiert, beforscht Marco Wähner individuelle Motive zur Partizipation, um Anreize zur Aktivierung – insbesondere politisch unterrepräsentierter Gruppen – abzuleiten. Hierfür werden nicht nur klassische Partizipationsformen, sondern auch Online-Beteiligung auf der spezifischen lokalen Ebene untersucht. Ein Motiv für politische Partizipation kann beispielsweise darin bestehen, ein materielles Interesse wie geringere Steuern oder den Bau einer Straße durchzusetzen. Andere partizipieren, weil die demokratische Beteiligung als bürgerschaftliche Pflicht angesehen wird. Mit dem General-Incentive-Model von Seyd und Whiteley (1992) steht aus der Parteienforschung ein Instrument zur Untersuchung der individuellen Motivlage zur Verfügung. Neben der empirischen Überprüfung des theoretischen Erklärungsgehalts werden spezifische Anreize in einem quasi-experimentellen Design getestet.


Marco Wähner studierte Germanistik und Politikwissenschaft (B.A.) sowie Sozialwissenschaften (M.A.) an der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf. In seiner Masterarbeit analysierte er Erklärungsfaktoren politischer (Online-)Partizipation mit einem Fokus auf internetspezifische Fähigkeiten. Seit 2015 arbeitete er als studentische Hilfskraft (SHK und WHB) am Forschungskolleg sowie am Düsseldorfer Institut für Internet und Demokratie (DIID). Dort war er insbesondere mit der Organisation und Durchführung des universitären Beteiligungsprojekts „YOUniversity“ vertraut. Im Rahmen des Forschungskollegs beschäftigt er sich mit der empirischen Evaluation von Online-Beteiligungsverfahren sowie mit Fragen der digitalen Ungleichheit. Marco Wähner promoviert am Lehrstuhl für Soziologie II und wird von Prof. Ulrich Rosar betreut.